Die weltbesten Fussballerinnen kämpfen im Sommer 2023 in Australien und Neuseeland um denWM-Titel. Auch das Schweizer Team ist dabei! Weil die Tickets gekauft werden wie frische Weggli, wurde das Eröffnungsspiel in ein grösseres Stadion mit 80'000 Plätzen verlegt. Alles gut? Leider nicht: Ausgerechnet Visit Saudi – die Tourismusförderung von Saudi-Arabien- soll WM-Sponsor werden. Meine Einschätzung dazu am 2. Februar live auf SRF3 Radio. Die Fragen stellt Mario Torriani.

 

Mario Torriani: Susy Schär - selbstständige Kommunikations-Unternehmerinund Expertin für Sportpolitik- und Ethik. Was ging Ihnen durch den Kopf, als sie von diesem Sponsoring-Engagement hörten?

 Susy Schär: Obwohl mir schon lange klar ist, dass es der FIFA hauptsächlich um Geld und Macht geht und erstin zweiter Linie um den Sport konnte ich diese Meldung fast nicht glauben. Warum? Frauenfussball ist für mich eine sportliche Emanzipationsgeschichte. Und nun soll ausgerechnet Saudi-Arabien – das Land mit eingeschränkten Frauenrechten  - Hauptsponsor der Frauen-WM werden.

 

Mario Torriani: Die FIFA entscheidet schlussendlich, wer als Sponsor an der WM auftritt. Hätte sie eineZusammenarbeit ablehnen müssen?

 Susy Schär: Ja finde ich schon. Aber da kommen wieder Sportpolitik und Macht ins Spiel. Im März 2023 findet in Ruanda die FIFA-Präsidentenwahl statt. Gianni Infantino will wiedergewählt werden und die einflussreichen Saudis garantieren ihm viele Stimmen. Darum will er sie wohl kaum verärgern. Zudem dient Ethik der FIFA höchstens als Deckmänteli.

Und man betont auch immer wieder die Trennung von Politik und Sport, macht aber das Gegenteil. Ich erinnere nur an die WM 1978 während der Militärdiktatur in Argentinien oder eben an die WM 2022 in Katar.

 

Mario Torriani: Die Kritik in Katar scheint die FIFA kalt zu lassen, wenn man den jetzigen Entscheid anschaut.

Susy Schär: In meiner langen journalistischen Tätigkeit habe ich immer wieder erlebt, dass Kritik an der FIFA abperlt. Hauptsache Kasse und Einschaltquoten stimmen.

 

 Mario Torriani: Der Frauen-Fussball will wachsen, grösser und bedeutender werden. Kann das überhaupt gehen ohne sich (wie eben der Männerfussball) zu verkaufen?

 Susy Schär: Der Frauenfussball boomt, es ist ein riesiger Wachstumsmarkt . Trotzdem besteht nach wie vor ein Riesencap: Fakt ist, dass die 1700 besten Fussballerinnen der Welt zusammen weniger verdienen als Neymar allein. Über 30 Mio weniger!. Das ist absurd.

Fussballerinnen wollen nicht gleich viel Geld wie die Männer, aber sie wollen vom Spitzensport leben können und endlich bessere Trainingsbedingungen. (…) Sowohl die Spielerinnen als auch die beiden Veranstalterländer Australien-Neuseeland werden von der FIFA und von Saudiarabien instrumentalisiert.

 

Mario Torriani: Was glauben Sie-werden die Spielerinnen reagieren?

 Ich hoffe schon. Fussballerinnenn haben Grips, sie haben auch schon oft politisch Stellung bezogen. Zum Beispiel Megan Rapinoe, Weltfussballerin und Weltmeisterin. aus den USA. Ich würde wetten, dass von den Spielerinnen was kommt.

 

 Foto: Jeffrey F Linn

Anmerkung: Das Interview wurde in Mundart geführt, ich habe es transkribiert und leicht gekürzt.

Susy Schär

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