Seine Arbeit habe sich wegen der Corona-Pandemie gar nicht so stark verändert, sagt Sportarzt Patrik Noack,  «weil Sportlerinnen und Sportler meist irgendwo auf der Welt unterwegs sind, kommuniziere ich oft per Video oder Chat. » Patrik Noack ist chief medicalofficer des swiss olympic team, kurz CMO. Er betreut vor allem LeichtathletInnen, TriathletInnen, VelofahrerInnen und LangläuferInnen.

Für verletzte SpitzenathletInnen sei der aktuelle Wettkampfstopp und die Verschiebung der Olympischen Spiele beruhigend, denn «für einige wäre es in der Qualifikation knapp geworden», sagt Sportarzt Noack. Er denkt dabei an Stabsprung-Rekordhalterin Nicole Büchler, Schwimmerin Sasha Touretsky oder Weltklasse- Mountainbikerin Jolanda Neff.  Akute Fälle behandle er nach wie vor im Sports Medical Center in Abtwil. Auch Physiobehandlungen für Notfälle und postoperative Behandlungen werden gemacht. Noack setzt sich auch für Physiotermine für chronische Schmerzpatienten ein,  «denn sonst kommen sie mit Komplikationen wie Verstopfung oder Magenbluten weil sie zu viele, starke Schmerz-Medikamente schlucken».

Der Co-Leiter des Sports Medical Center in Abtwil hat die Praxis wegen der Corona-Pandemie umorganisiert: «Wir haben für Leute mit Infekten oder konkretem Covid-19-Verdacht Räumlichkeiten mit direktem Aussenzugang vom Parkplatz her», sagt Noack. Auch umliegende Hausärzte können Verdachtsfälle schicken.  Ein Arzt sei jeweils einen ganzen Tag diesem Praxisraum zugeteilt, damit er die Schutzkleidung nicht ständig wechseln müsse. Intern wird dieser Job daher «Coronadienst» genannt. Bis jetzt gab es gut 5 Verdachtsfälle pro Tag, davon waren total 4 Proben in den letzten drei Wochen positiv.

Sportlerinnen und Sportler planen in vierjährigen Zyklen. Für viele kommt darum die Olympia-Verschiebung wegen Covid-19 ungelegen. Einzelne hätten nach Tokio ein Studium beginnen wollen oder bereits einen Vertrag für einen Teilzeitjob unterschrieben. Andere sind im Herbst ihrer Karriere, wie Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig. Auch sie wird von Patrik Noack betreut. Sie schreibt auf ihrer Homepage: «Was der Entscheid für meine sportliche Zukunft bedeutet, kann ich im Moment noch nicht sagen.»

Berufssportler trainieren normalerweise 9 bis 14 Trainingseinheiten pro Woche. Auf der faulen Haut liege trotz gesperrten Sportplätzen und abgesagten Wettkämpfen niemand,versichert Sportarzt Noack. «Der Sport ist ihr Beruf, darum trainieren sie so professionell wie möglich weiter, denn vielleicht werden diese Saison doch noch  Wettkämpfe ausgetragen.» Und dann sei Top-Leistung gefragt. Viele seien in den letzten Wochen zum Läufer geworden, teilweise mit negativen Folgen: «Einzelne Schwimmer haben in Fuss und Knie Überlastungsprobleme, weil sie nicht gewohnt sind so viel zu laufen.» Andere dürfen in privaten Pools trainieren. Nicht in allen Sportarten ist Heimtraining möglich. So kann der Kunstturner im Wohnzimmer keinen Doppelsalto mit Schraube üben und der Judoka kann sich nicht selbst auf die Matte werfen. Inzwischen hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass Sportanlagen bis mindestens zum 11. Mai geschlossen bleiben. Vielleicht sind Trainings in Kontaktsportarten gar erst im Juni wieder möglich. Patrik Noack kann sich vorstellen, "dass Schwinger oder Judokas dann in fixen, kleinen Gruppen tranieren, um sich  vor einer Ansteckung zu schützen." Kreative Lösungen werden im Spitzensport wohl noch eine Weile gesucht sein.      

 

 16. April 2020

Susy Schär

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